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Vom Bänker zum Surfer – Teil 1 – Ausgangsituation

Lesson 2

Nur die wenigsten Menschen glauben mir, dass ich doch tatsächlich für ein duales Studium bei der Bank eine Zeit lang täglich in schniken Anzügen herumgelaufen bin.

Sei es im Surfcamp, im Wasser oder sonst wo - ständig stoße ich auf ungläubige Gesichter.

Dabei war es im Rückblick betrachtet doch relativ simpel, meinen Weg von der Deutschen Bank zu meinen heiß geliebten Sandbänken überall auf der Welt zu finden.

Sicherlich teilen wir nicht alle die gleichen Träume. Und das ist auch gut so. 

Dennoch bin ich mir sicher, dass einige Erdlinge da draußen einen innerlichen Drang nach mehr Freiheit verspüren - so wie ich damals.

Wie viele Menschen möchten nicht gerne dem inneren Ruf folgen und das unterschwellige Gefühl der Unzufriedenheit loswerden? Für mich geschah das, indem ich meinen Weg aus dem Seidenanzug heraus in den Neoprenanzug hinein fand.

Lektionen des Lebens lernen

Geld allein macht nicht glücklich.

Dies war die erste Lektion, die es zu lernen galt. Das ist etwas, das einem in der modernen Zeit wahrscheinlich kaum noch jemand beibringen kann.

So überschütten uns die Medien heutzutage doch mit Bildern, in denen jeder Mensch bereits mit 25 den neuesten Mercedes fahren sollte, während er in seinem schicken Wagen auf dem Weg zur Wall Street zeitgleich sein tägliches Sushi verspeist und dabei auf Tinder wild hin und her wischt, um die Liebschaften für die nächsten fünf Nächte zu finden.

Auch mein kleines Gehirn war darauf konditioniert, solchen Idealbildern zu entsprechen. Mit 17 Jahren war ich der Auffassung, ich müsste einfach nur schrecklich viel Geld verdienen und dabei gut gekleidet sein, um wunschlos glücklich zu sein.

Ich hätte nicht weiter daneben liegen können.

Das erste Jahr meiner Zeit bei der Bank verbrachte ich im Süden Deutschlands, wo ich kein Schwein kannte. Das stellt für mich normalerweise kein Problem da, denn neue Kontakte zu knüpfen war nie ein schwieriges Hindernis.

Vielmehr hatte ich ein Problem damit, durch das duale Studium kaum Freizeit zu haben.

Mein Tagesablauf sah in der grauen Zeit sehr eintönig aus. Morgens stand ich kurz nach 6 auf, um mich zu rasieren, Hemden zu bügeln und zu frühstücken. Tagsüber blieb ich in der Bank und ernährte mich in der Mittagspause aus Zeitmangel hauptsächlich von ungesundem chinesischen Essen und Leberkäse im Brötchen. 

Ich hatte morgens nicht die Nerven, mir auch noch ein gesundes Mittagessen fertig zu machen. Die Zeit der Mittagspause reichte zudem bei Weitem nicht dazu aus, um kurz nach Hause zu gehen und mir dort etwas zuzubereiten.

Nach der Arbeit lief ich fast täglich in den relativ weit entfernten Supermarkt, um dort Nahrungsmittel und weiteren Unfug zu kaufen. Sobald ich gekocht und danach gegessen hatte, standen Dinge wie Waschen, Putzen etc. an (1).

Ehe ich mich versah, war es auch schon wieder 10 oder 11 Uhr. Zeit für‘s Bett, wenn ich am nächsten Tag halbwegs frisch aussehen wollte!

Gut, jetzt mag man meinen, dass es vielen Menschen jeden Tag so ergeht. Ich war jedoch gerade kaum 18 geworden und wohnte damals nicht bei meinen für mich kochenden Eltern, wie die meisten anderen Azubis meines Kurses (2).

Nach drei Monaten - gerade als ich anfing, in einen vernünftigen Rhytmus zu kommen - musste ich plötzlich aufgrund der vorhergesehenen Studienphase in ein 200 Kilometer entferntes Dorf umziehen.

Das war nicht gerade billig und musste an einem Wochenende vollzogen werden, da der Zeitplan des dualen Studiums extrem eng war.

Glücklicherweise halfen mir meine Eltern an dieser Stelle aus. 

Der Standort der Universität befand sich in einem kleinen Dorf namens Villingen-Schwenningen. Es war nicht gerade der Traumort eines heranwachsenden, halbstarken Menschen. Aber hier hatte ich wenigstens die Möglichkeit, täglich mit meinem Kumpel und Arbeitskollegen Marcel abzuhängen.

Die vorherigen Monate bekam ich Marcel lediglich am Wochenende zu Gesicht, da er von der Bank im eine Stunde entfernten Freiburg eingesetzt wurde. Rückbetrachtend ziehe ich die Studienzeit deutlich der Zeit in den
Bankfilialen vor.

Es half jedoch alles nichts, denn nach weiteren drei Monaten musste ich wieder zurück nach Lörrach ziehen, um in der Bankfiliale die praktischen Aspekte des Jobs zu erlernen.

Jedoch befindet sich meine Filiale dieses Mal in einem kleinen Nachbarort und nicht in Lörrach selbst.

Um dorthin zu reisen, nahm ich jeden Tag mürrisch einen Zugweg von 45 Minuten über Basel auf mich. Das hieß für mich, dass ich die nächsten 3 Monate um kurz nach 5 aufstehen musste, um rechtzeitig in der Bank zu sein. Hinzu kam, dass ich nach der Arbeit für die Uni-Prüfungen lernen sollte (neben dem Kochen etc.).

Das hatte den Effekt, dass ich nochmals deutlich weniger Freizeit hatte, als in den ersten drei Monaten meiner Praxisphase. Ich ging später zu Bett und stand früher auf.

Mein hinterlistiger Verstand war zu dem Zeitpunkt der Meinung, die gesamte Situation geschickt überspielen zu müssen. Denn wenn eines Tages der Zeitpunk käme, an dem die Bank mich mit Geld überschüttet, würde alles wieder gut sein. 

So jedenfalls die Theorie.

Meine sonst so entspannte Familie machte sich bereits früh ernsthafte Sorgen um mich. Und das, obwohl ich gerade mal ein paar Monate bei der Bank verbracht hatte (3).

Auch der jungen Version von mir wurde irgendwann während meiner zweiten Praxisphase langsam bewusst, WIE unglücklich ich war (4).

Dabei gebe ich der Bank keine Schuld, denn meine Situation war einfach das Resultat meiner eigenen Entscheidungen. Zudem ist es ein wenig zu leicht, die Schuld bei anderen zu suchen (und auch zu finden). 

Glücklicherweise fand ich nach meiner zweiten Uni-Phase, also nach knapp 12 Monaten, per Zufall eine nette Methode, mir klar werden zu lassen, dass Geld nicht alles im Leben ist.

Alles was du tun musst, um zu der gleichen Erkenntnis zu kommen, ist in einen heftigen Autounfall zu geraten.

Studieren in Villingen-Schwenningen

Der Standort der Universität befand sich in einem kleinen Dorf namens Villingen-Schwenningen. Es war nicht gerade der Traumort eines heranwachsenden, halbstarken Menschen. Aber hier hatte ich wenigstens die Möglichkeit, täglich mit meinem Kumpel und Arbeitskollegen Marcel abzuhängen.

Die vorherigen Monate bekam ich Marcel lediglich am Wochenende zu Gesicht, da er von der Bank im eine Stunde entfernten Freiburg eingesetzt wurde. Rückbetrachtend ziehe ich die Studienzeit deutlich der Zeit in den
Bankfilialen vor.

Es half jedoch alles nichts, denn nach weiteren drei Monaten musste ich wieder zurück nach Lörrach ziehen, um in der Bankfiliale die praktischen Aspekte des Jobs zu erlernen.

Jedoch befindet sich meine Filiale dieses Mal in einem kleinen Nachbarort und nicht in Lörrach selbst.

Um dorthin zu reisen, nahm ich jeden Tag mürrisch einen Zugweg von 45 Minuten über Basel auf mich. Das hieß für mich, dass ich die nächsten 3 Monate um kurz nach 5 aufstehen musste, um rechtzeitig in der Bank zu sein. Hinzu kam, dass ich nach der Arbeit für die Uni-Prüfungen lernen sollte (neben dem Kochen etc.).

Das hatte den Effekt, dass ich nochmals deutlich weniger Freizeit hatte, als in den ersten drei Monaten meiner Praxisphase. Ich ging später zu Bett und stand früher auf.

Mein hinterlistiger Verstand war zu dem Zeitpunkt der Meinung, die gesamte Situation geschickt überspielen zu müssen. Denn wenn eines Tages der Zeitpunk käme, an dem die Bank mich mit Geld überschüttet, würde alles wieder gut sein. 

So jedenfalls die Theorie.

Meine sonst so entspannte Familie machte sich bereits früh ernsthafte Sorgen um mich. Und das, obwohl ich gerade mal ein paar Monate bei der Bank verbracht hatte (3).

Auch der jungen Version von mir wurde irgendwann während meiner zweiten Praxisphase langsam bewusst, WIE unglücklich ich war (4).

Dabei gebe ich der Bank keine Schuld, denn meine Situation war einfach das Resultat meiner eigenen Entscheidungen. Zudem ist es ein wenig zu leicht, die Schuld bei anderen zu suchen (und auch zu finden). 

Glücklicherweise fand ich nach meiner zweiten Uni-Phase, also nach knapp 12 Monaten, per Zufall eine nette Methode, mir klar werden zu lassen, dass Geld nicht alles im Leben ist.

Alles was du tun musst, um zu der gleichen Erkenntnis zu kommen, ist in einen heftigen Autounfall zu geraten.


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(1) Ich weiß, ich weiß. Gerade als Teenager darf man die Wohnung auch mal verkommen lassen und sein Leben genießen. Dazu hat meine Mutter mich aber leider zu gut erzogen. Rabenmutter!

(2) Ich bin mir bewusst, dass mich hätte ein schlimmeres Schicksal ereilen können. Schön war die Situation trotzdem nicht.

(3) Es treibt mir an dieser Stelle eine Träne ins Auge, an meine weinende Mutter zurückdenken zu müssen.

(4) Nicht nur unglücklich, sondern auch verdammt fett bin ich in der Zeit geworden! Ich kann mich leider auf keine Studie berufen, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass Aufbackbrötchen mit Gänsestopfleber ihren Anteil dazu beigetragen haben.

P.S. An alle Veggies und Veganer - es tut mir Leid. Ich dachte damals, es wäre normale Leberwurst.

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