eBooks

Vom Bänker zum Surfer – Teil 2 – Der Autounfall

Lesson 3

Ja, du hast richtig gelesen. Ein lebensgefährlicher Autounfall kann dir dabei helfen, deine Prioritäten wieder in das rechte Licht zu rücken.

Später mehr dazu, weshalb das so ist.
Vorab kurz erklärt, wie es überhaupt zum Unfall kam.

Jahr um Jahr findet am letzten Wochenende des warmen Juni-
Monats das Moto GP Event in Assen (Niederlande) statt.

Alle meine Freunde aus dem Münsterland wollten damals gemeinsam dorthin fahren. Deshalb kaufte ich mir für das Wochenende ebenfalls Flüge
Richtung Heimat (5).

Das eigentliche Motorradrennen interessierte uns dabei eher weniger. Das wilde Drumherum, der seltsam angenehme Benzingeruch und das laute Geknalle der vielen heulenden Motoren war es, was uns zu dem Event zog.

Auf den riesigen Campingplätzen rund um den TT Circuit herum gab es zudem immer wieder zahllose Verrückte, die beispielsweise mit ihren Rollern über Holzrampen düsten und in mit Benzin gefüllte Planschbecken sprangen oder betrunken einen riesigen Strommasten hochkletterten, nur um anschließend von der Polizei festgenommen zu werden (6)

Der Tag des Unfalls

Wir machten uns also am Freitag, den 24. Juni 2011, mit zwei Autos auf den Weg nach Holland.

Ich hatte die Ehre mit der hübschen Jessica auf der Rückbank eines Audi A80 zu sitzen, während ihr Bruder André und Kumpel Steven vorne saßen.

Der Weg Gottes führte uns über die A31, wo wir aufgrund der freien Fahrt relativ schnell die maximale Geschwindigkeit des Audi‘s erreichten. Mit 190 km/h rasten wir gemütlich über die Straße, bis wir alle plötzlich ein lautes Knallen aus dem Nichts hörten.

Niemand war sich wirklich sicher, was genau falsch lief.

Wir konnten lediglich ausmachen, dass das Geräusch von hinten rechts kam. Reflexartig trat André auf die Bremse, um die Geschwindigkeit des Audis zu reduzieren.

Just in diesem Moment fing das Auto langsam aber sicher an, den natürlichen Regeln der Schwerkraft zu folgen und geriet ins Schwanken. Während Jessica sich neben mir gezwungen sah zu kreischen, versuchte André mit vollster Konzentration gegenzusteuern und den Wagen unter Kontrolle zu bringen.

Es half alles nichts.

Nach ein paar kurzen Sekunden war es dann soweit: Der Unfall stand unmittelbar bevor.

Hier beginnt einer der schönsten Momente meines Lebens (7).

Während sich das Auto bei etwa 120 km/h nach rechts drehte und somit quer auf die Straße stellte, beschlich mich eine angenehme Ruhe. Den anderen schien es ähnlich zu ergehen, denn außer dem Schreien von Jessica war es im Auto seltsam ruhig.

Das Gefühl, welches ich in den kurzen Sekunden des Unfalls erfahren durfte, kann ich nicht genau beschreiben.

Es geht in die Richtung von tiefer Glückseligkeit. Du schaust dir gleichmütig dabei zu, wie du in einer scheinbar außer Kontrolle geratenen Welt einen bestimmten Weg durch Zeit und Raum einschlägst.

Alles ist gut, nichts kann dir passieren. Ruhe. Dann tiefe Schwärze.

Die Reifen des quergestellten Gefährts griffen in die Straße und wir überschlugen uns mehrfach. Aufgrund fehlender Leitplanken touchierten wir mit unserem Autodach nach der ersten Seitwärts-Rolle den grünen Graben und schossen danach unkontrolliert weiter in Richtung Maisfeld.

Nach der zweiten Rolle verlor ich das Bewusstsein.

Als ich aufwachte, hatte ich Unmengen an Dreck in meinem Mund, den ich sofort ausspucke. Vieles war anders. Nicht nur im Auto.

Alle Scheiben waren zerbrochen und das beim Unfall herausgeschleuderte Radio lag neben mir auf dem Rücksitz.

Langsam wachten zum Glück auch meine Freunde auf und wir vergewisserten uns kurz, dass es allen gut ging. Umgehend kletterten wir durch die Front- und Heckscheiben aus dem Auto.

Der Aufprall hatte das Auto so dermaßen deformiert, dass sich die Türen sich nicht mehr öffnen ließen. Als wir das Licht der Erde wieder erblickten, standen bereits zahlreiche Beobachter am Straßenrand und man hörte die Polizeisirenen näher kommen.

Als wir einen Blick auf das Auto warfen, wurde uns bewusst, was für ein Glück wir hatten. Die Form des Wagens war völlig verändert und nicht mehr wieder zu erkennen (8).

In mir selbst ist aber seit dem Unfall noch sehr viel mehr verändert, als an dem völlig deformierten Auto.

Die erste gelernte Lektion lautet, dass es völlig okay ist zu sterben. Ich habe für mich selbst die Gewissheit erlangt, dass der Prozess des Abschied-Nehmens keineswegs schrecklich ist.

Im Gegenteil.

Und so kommt es, dass der Tod seit jeher in meinem Kopf nichts grundlegend Negatives mehr ist. Diese neuen Umstände haben mir völlig neue Weltansichten beschert.

Meine Gedankengänge wurden durch den Vorfall von Grund auf verändert und ich bin sehr dankbar dafür. Ich habe sicherlich zu einem gewissen Grad den Bezug zur Realität verloren und ein Stück Frieden in meinem Herzen gewonnen (9).

Aufgrund dieser Erfahrung habe ich damals den festen Entschluss gefasst, fortan nur noch Dinge zu tun, die mich wirklich glücklich machen.

Es dauerte nicht lange zu der Erkenntnis zu kommen, dass ich mein Glück nicht in Geld oder materiellen Dingen, sondern vielmehr in mir selbst suchen muss.

Daraus resultierte die Kündigung meines dualen Studiums, was mich zutiefst befreit hat. Daran führte kein Weg vorbei. Es sei denn ich wollte ein todunglückliches Leben führen.

Dabei war ich dem Tode doch gerade erst entwischt.


-------------------


(5) Man stelle sich mal vor, dass der Flug von Basel nach Düsseldorf lediglich 12€ gekostet hat. Die überaus freche Bahn wollte für den gleichen Weg gerne 120 haben.

(6) Ich bitte dich, wir reden hier selbstverständlich von wahrhaftigen Polizisten.

(7) Wenn nicht sogar DER schönste Moment meines Lebens.

(8) Keiner der vier Insassen wurde im geringsten verletzt, was laut Aussage der Polizei einem Wunder gleicht. Manchmal frage ich mich auch, ob ich nicht doch im Koma liege und mir das alles hier nur erträume, um die Realität zu verdrängen. Gruseliger Gedanke!

Leave a comment

Comment as a guest:

Name * E-Mail *
Website
vom-bnker-zum-surfer-teil-2-der-autounfall-ndash-wavebutler
Pen